Ölsorten

Speiseöle im Überblick – welches Öl wofür?

Olivenöl zum Braten, Leinöl ins Müsli, Kokosöl in die Pfanne – oder war es andersherum? 16 Speiseöle im Vergleich: Geschmack, Rauchpunkt, Fettsäuren und wofür du welches Öl verwendest.

Die kurze Antwort

Drei Öle decken 90% aller Küchenaufgaben ab: Olivenöl für Salate und leichtes Braten, Rapsöl zum heißen Anbraten, Leinöl als Omega-3-Quelle in kalten Speisen. Alles andere sind Spezialisten für bestimmte Gerichte oder Geschmacksrichtungen.

Olivenöl – der Allrounder

Rauchpunkt: 180-210 °C (nativ extra) | Geschmack: fruchtig bis pfeffrig

Olivenöl ist das meistverkaufte Speiseöl in Deutschland. Die Qualitätsstufe „nativ extra“ (extra vergine) steht für die kaltgepresste Variante ohne chemische Behandlung. Gutes Olivenöl schmeckt fruchtig, leicht bitter und kratzt hinten im Hals. Das Kratzen kommt von Oleocanthal – einem Polyphenol mit entzündungshemmender Wirkung.

Zum Braten bei mittlerer Hitze funktioniert Olivenöl problemlos. Erst oberhalb von 210 °C wird es kritisch. Für Salate, Dips, Pasta und zum Verfeinern ist es erste Wahl.

Fettsäuren: Hoher Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren (Ölsäure, ca. 75%). Wenig gesättigte Fette. Gilt als herzgesund.

Ein solides natives Olivenöl aus Griechenland oder Kreta: Jordan Olivenöl – Natives Olivenöl extra. Fruchtig, ehrlich, ohne Tricks.

Rapsöl – der unterschätzte Favorit

Rauchpunkt: 200-230 °C (raffiniert) | Geschmack: neutral bis nussig

Rapsöl hat das beste Omega-3-zu-Omega-6-Verhältnis aller gängigen Pflanzenöle. Raffiniertes Rapsöl schmeckt neutral und verträgt hohe Temperaturen. Die kaltgepresste Variante schmeckt nussig-krautig und passt zu Kartoffelsalat oder Quark.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Rapsöl als Standard-Speiseöl. Es ist günstig, hitzebeständig und liefert Omega-3-Fettsäuren. Kein anderes Alltagsöl vereint diese drei Punkte so gut.

Fettsäuren: 60% einfach ungesättigte (Ölsäure), 10% Omega-3 (Alpha-Linolensäure), 20% Omega-6. Sehr gutes Verhältnis.

Sonnenblumenöl – der Massenmarkt

Rauchpunkt: 210-230 °C (raffiniert) | Geschmack: mild, neutral

Sonnenblumenöl steht in fast jeder Küche. Es ist günstig und geschmacksneutral. Zum Braten und Backen funktioniert es zuverlässig. Das Problem: normales Sonnenblumenöl enthält viel Omega-6 (Linolsäure, bis zu 65%) und fast kein Omega-3. Die meisten Menschen nehmen ohnehin zu viel Omega-6 auf.

Die High-Oleic-Variante (HO-Sonnenblumenöl) hat ein besseres Fettsäureprofil. Steht „high oleic“ auf der Flasche, enthält das Öl mehr einfach ungesättigte Fettsäuren und weniger Omega-6.

Fettsäuren: Viel Omega-6, wenig Omega-3 (Standardvariante). HO-Variante: hoher Ölsäureanteil, besser.

Leinöl – die Omega-3-Bombe

Rauchpunkt: 107 °C | Geschmack: nussig, herb, leicht bitter

Leinöl enthält mit Abstand am meisten Omega-3-Fettsäuren aller Pflanzenöle (ca. 55% Alpha-Linolensäure). Dafür wird es schnell ranzig. Nach dem Öffnen gehört es in den Kühlschrank und sollte innerhalb von 4-6 Wochen verbraucht werden.

Nie erhitzen. Leinöl ist ausschließlich für die kalte Küche: Quark, Müsli, Smoothie, über fertige Gerichte träufeln. In Kombination mit Quark (Budwig-Diät) sollen die Omega-3-Fettsäuren besonders gut aufgenommen werden.

Fettsäuren: 55% Omega-3, 15% Omega-6. Bestes Omega-3-zu-6-Verhältnis aller Pflanzenöle.

Wer es mal probiert hat, kennt das: Leinöl schmeckt nicht jedem. Frisch und kühl gelagert ist der Geschmack aber mild genug für Quark und Salat.

Kokosöl – umstritten, aber nützlich

Rauchpunkt: 175-205 °C | Geschmack: leicht süßlich, nach Kokosnuss

Kokosöl besteht zu 90% aus gesättigten Fettsäuren. Das klingt erstmal schlecht. Allerdings handelt es sich überwiegend um mittelkettige Fettsäuren (MCTs), die der Körper anders verstoffwechselt als langkettige. Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ob Kokosöl gesundheitlich vorteilhaft oder nachteilig ist.

In der Küche hat Kokosöl einen klaren Nutzen: Es wird bei Zimmertemperatur fest, schmilzt beim Erhitzen und gibt asiatischen Gerichten einen authentischen Geschmack. Für Thai-Currys, Wok-Gerichte und veganes Backen ist es beliebt.

Fettsäuren: 90% gesättigte Fette (davon ca. 50% Laurinsäure). Kaum ungesättigte Fettsäuren.

Sesamöl – der Aromakünstler

Rauchpunkt: 175-210 °C (hell) / 160 °C (geröstet) | Geschmack: nussig (hell), intensiv-rauchig (geröstet)

Zwei Varianten, zwei Welten. Helles Sesamöl schmeckt mild und eignet sich zum Braten in der asiatischen Küche. Geröstetes Sesamöl schmeckt intensiv nussig-rauchig und kommt erst am Ende ans Gericht. Ein Teelöffel reicht, um einer ganzen Schüssel Nudeln oder Reis den typischen asiatischen Geschmack zu geben.

Sesamöl enthält Sesamol und Sesamin – Antioxidantien, die das Öl relativ haltbar machen. Trotzdem kühl und dunkel lagern.

Fettsäuren: Ausgewogen. Ca. 40% Omega-6, 40% einfach ungesättigte Fettsäuren.

Geröstetes Sesamöl gehört in jede Küche, die asiatisch kocht: Emma Basic – geröstetes Sesamöl, 500 ml. Ein paar Tropfen verändern jedes Gericht.

Walnussöl – der Feinschmecker

Rauchpunkt: 130-160 °C | Geschmack: intensiv nussig, leicht herb

Walnussöl ist ein Genussöl. Es schmeckt so stark nach Walnuss, dass es jedes Gericht dominiert. Ein Esslöffel im Feldsalat mit Ziegenkäse, über geröstetes Gemüse oder in die Vinaigrette. Nie zum Braten verwenden. Die empfindlichen Fettsäuren vertragen keine Hitze.

Wie Leinöl wird Walnussöl schnell ranzig. Kühl lagern und zügig verbrauchen. Kleine Flaschen kaufen.

Fettsäuren: Ca. 55% Omega-6, 12% Omega-3. Nicht ideal im Verhältnis, aber reich an Vitamin E.

Kaltgepresst und in der kleinen Flasche, damit es frisch bleibt: Ölmühle Solling – Walnussöl kaltgepresst, 250 ml.

Erdnussöl – der Wok-Spezialist

Rauchpunkt: 230 °C (raffiniert) | Geschmack: mild nussig

Erdnussöl verträgt hohe Temperaturen und eignet sich hervorragend zum Frittieren und scharfen Anbraten im Wok. Der Geschmack bleibt dezent. Kaltgepresstes Erdnussöl schmeckt stärker nach Erdnuss und passt zu asiatischen Salaten.

Achtung bei Erdnussallergien: Raffiniertes Erdnussöl enthält in der Regel keine allergieauslösenden Proteine mehr. Kaltgepresstes dagegen kann Allergien auslösen. Im Zweifel meiden.

Fettsäuren: Ca. 50% einfach ungesättigte, 30% Omega-6. Solides Profil.

Kürbiskernöl – der Österreicher

Rauchpunkt: 120 °C | Geschmack: intensiv nussig, leicht süß

Steirisches Kürbiskernöl ist dunkelgrün bis fast schwarz. Es schmeckt intensiv nach gerösteten Kernen. In der steirischen Küche kommt es auf Salate, Suppen und sogar Vanilleeis. Nie erhitzen – die empfindlichen Fettsäuren und der Geschmack leiden darunter.

Ein bis zwei Esslöffel über den fertigen Teller träufeln. Das reicht. Mehr dominiert das Gericht.

Fettsäuren: Ca. 50% Omega-6, 25% einfach ungesättigte Fettsäuren. Reich an Vitamin E und Zink.

Distelöl (Safloröl) – der Vitamin-E-Lieferant

Rauchpunkt: 150 °C (kaltgepresst) / 210 °C (raffiniert) | Geschmack: mild, neutral

Distelöl hat den höchsten Vitamin-E-Gehalt aller Speiseöle. Der Geschmack ist dezent. Kaltgepresst eignet es sich für Salate, raffiniert zum Braten. Wie Sonnenblumenöl enthält die Standardvariante viel Omega-6. Die High-Oleic-Variante ist besser.

Fettsäuren: Bis zu 75% Omega-6 (Standardvariante). HO-Variante: über 70% Ölsäure.

Traubenkernöl – der Feine

Rauchpunkt: 200-215 °C | Geschmack: leicht, fruchtig, fast neutral

Traubenkernöl ist ein Nebenprodukt der Weinherstellung. Es schmeckt dezent und eignet sich für Salate und leichtes Braten. Der Rauchpunkt ist relativ hoch. In der französischen Küche wird es gern für Vinaigrettes verwendet.

Fettsäuren: Ca. 70% Omega-6. Hoher Vitamin-E-Gehalt. Nicht als Hauptöl geeignet wegen des hohen Omega-6-Anteils.

Algenöl – die pflanzliche Omega-3-Alternative

Rauchpunkt: nicht zum Erhitzen | Geschmack: mild, leicht meerig

Algenöl enthält DHA und EPA – die gleichen Omega-3-Fettsäuren wie Fischöl. Der Unterschied: Es wird aus Mikroalgen gewonnen und ist vegan. Leinöl liefert zwar auch Omega-3, aber nur als ALA. Der Körper wandelt ALA nur zu 5-10% in DHA und EPA um.

Wer keinen Fisch isst, für den ist Algenöl die einzige pflanzliche Quelle für DHA und EPA. Ein Teelöffel pro Tag reicht. Nicht erhitzen, nicht kochen. Direkt einnehmen oder ins fertige Essen geben.

Fettsäuren: DHA und EPA (langkettige Omega-3). Je nach Produkt 250-500 mg pro Teelöffel.

Weizenkeimöl – das Vitamin-E-Konzentrat

Rauchpunkt: 100-130 °C | Geschmack: leicht getreidig, mild

Weizenkeimöl hat den höchsten natürlichen Vitamin-E-Gehalt. Es ist empfindlich, teuer und nur kalt zu verwenden. Ein Esslöffel pro Tag deckt den Tagesbedarf an Vitamin E. Kühl lagern, kleine Flaschen kaufen.

Fettsäuren: Ca. 55% Omega-6, 7% Omega-3. Kein optimales Verhältnis, aber der Vitamin-E-Gehalt ist der Hauptgrund für den Kauf.

Sanddornöl – der Exot

Rauchpunkt: nicht zum Kochen | Geschmack: intensiv fruchtig, herb-säuerlich

Sanddornöl wird aus dem Fruchtfleisch oder den Kernen der Sanddornbeere gewonnen. Es ist leuchtend orange und schmeckt intensiv. In der Küche wird es tropfenweise verwendet – in Smoothies, Dressings oder über Joghurt. Eigentlich ist es eher ein Nahrungsergänzungsmittel als ein Speiseöl.

Fettsäuren: Fruchtfleischöl: ca. 65% Palmitoleinsäure. Kernöl: ca. 35% Omega-3. Reich an Beta-Carotin und Vitamin C.

Sojaöl – der Weltmarktführer

Rauchpunkt: 230 °C (raffiniert) | Geschmack: neutral

Sojaöl ist weltweit das meistproduzierte Pflanzenöl. In Deutschland wird es seltener als Speiseöl verkauft, steckt aber in vielen Fertigprodukten, Margarine und Frittierfetten. Raffiniertes Sojaöl verträgt hohe Temperaturen und schmeckt neutral.

Fettsäuren: Ca. 55% Omega-6, 7% Omega-3, 25% einfach ungesättigte. Akzeptables Profil, aber zu viel Omega-6 im Verhältnis.

Palmöl – problematisch, aber allgegenwärtig

Rauchpunkt: 235 °C | Geschmack: leicht süßlich (roh), neutral (raffiniert)

Palmöl steckt in rund der Hälfte aller Supermarktprodukte: Margarine, Aufstriche, Kekse, Fertiggerichte, Schokolade. Der Anbau steht wegen Regenwaldrodung und Landkonflikten massiv in der Kritik. Ernährungsphysiologisch ist Palmöl weder besonders gut noch besonders schlecht – es enthält etwa 50% gesättigte Fette.

Rotes Palmöl (unraffiniert) enthält viel Beta-Carotin und Vitamin E. In der westafrikanischen und brasilianischen Küche ist es ein traditionelles Speiseöl. Wer es nutzen will, sollte auf RSPO-Zertifizierung achten.

Fettsäuren: Ca. 50% gesättigte, 40% einfach ungesättigte. Kaum Omega-3.

Die Rauchpunkt-Tabelle

Ölsorten Rauchpunkte
ÖlRauchpunktBraten?Frittieren?Kalte Küche?
Erdnussöl (raffiniert)230 °Cjajaja
Sojaöl (raffiniert)230 °Cjajaja
Palmöl235 °Cjajabedingt
Rapsöl (raffiniert)220 °Cjajaja
Sonnenblumenöl (raffiniert)220 °Cjajaja
Traubenkernöl210 °Cjabedingtja
Distelöl (raffiniert)210 °Cjabedingtja
Olivenöl (nativ extra)200 °Cjaneinja
Kokosöl195 °Cjaneinbedingt
Sesamöl (hell)195 °Cjaneinja
Sesamöl (geröstet)160 °Cneinneinja
Walnussöl150 °Cneinneinja
Kürbiskernöl120 °Cneinneinja
Leinöl107 °Cneinneinja
Weizenkeimöl120 °Cneinneinja
Sanddornölneinneintropfenweise
Algenölneinneinals Supplement

So findest du das richtige Öl

Zum scharfen Anbraten und Frittieren: Erdnussöl, raffiniertes Rapsöl oder raffiniertes Sonnenblumenöl. Hoher Rauchpunkt, neutraler Geschmack.

Zum sanften Braten und Dünsten: Olivenöl (nativ extra), Kokosöl oder helles Sesamöl. Mittlerer Rauchpunkt, mehr Eigengeschmack.

Für Salate und kalte Gerichte: Olivenöl, Walnussöl, Kürbiskernöl, kaltgepresstes Rapsöl. Geschmack steht im Vordergrund.

Als Omega-3-Quelle: Leinöl (pflanzlich, ALA) oder Algenöl (DHA/EPA). Nie erhitzen. Täglich ein Teelöffel.

Zum Verfeinern: Geröstetes Sesamöl, Kürbiskernöl, Trüffelöl. Erst am Ende aufs fertige Gericht.

Lagerung: So bleibt Öl frisch

Drei Feinde hat jedes Öl: Licht, Wärme und Sauerstoff. Dunkle Flaschen schützen vor Licht. Kühle Lagerung (nicht neben dem Herd) verlangsamt die Oxidation. Flasche nach dem Gebrauch sofort verschließen.

Kaltgepresste Öle (Leinöl, Walnussöl, Kürbiskernöl) gehören nach dem Öffnen in den Kühlschrank. Raffinierte Öle halten sich länger und vertragen Zimmertemperatur. Riecht ein Öl ranzig – bitter, alt, nach Farbe – wegwerfen. Ranziges Öl ist nicht gefährlich, aber der Geschmack verdirbt jedes Gericht.

Häufige Fragen

Welches Öl ist am gesündesten?
Rapsöl hat das beste Allround-Profil: gutes Omega-3-zu-6-Verhältnis, hoher Ölsäureanteil, hitzebeständig, günstig. Olivenöl liefert zusätzlich Polyphenole. Am besten abwechseln.

Kann ich mit Olivenöl braten?
Ja, bei mittlerer Hitze. Der Rauchpunkt von nativem Olivenöl extra liegt bei 180-210 °C. Für Schnitzel oder Bratkartoffeln reicht das. Nur bei sehr hohen Temperaturen (Wok, Frittieren) besser zu Erdnuss- oder Rapsöl greifen.

Ist Kokosöl gesund oder ungesund?
Umstritten. Die mittelkettigen Fettsäuren werden anders verarbeitet als andere gesättigte Fette. Kleine Mengen im Wechsel mit ungesättigten Ölen sind kein Problem. Als Hauptfettquelle nicht empfehlenswert.

Was bringt kaltgepresst?
Kaltgepresste Öle behalten mehr Vitamine, Antioxidantien und Geschmack. Dafür vertragen sie weniger Hitze. Für Salate und kalte Gerichte kaltgepresst. Zum Braten raffiniert.

Wie erkenne ich gutes Olivenöl?
Echtes natives Olivenöl extra schmeckt fruchtig, leicht bitter und kratzt im Hals. Wenn es nach nichts schmeckt, ist die Qualität niedrig. Preis unter 8 Euro pro Liter ist verdächtig. Auf Erntejahr achten – je frischer, desto besser.

Wie viel Öl am Tag ist gesund?
Die DGE empfiehlt 10-15 g Öl pro Tag als Teil der Fettaufnahme (60-80 g Gesamtfett). Das sind etwa 1-2 Esslöffel. Dazu kommen versteckte Fette in Lebensmitteln.