Sojadrink: Herstellung, Nährwerte und Verwendung

Kategorie: Lebensmittel

Glas Sojadrink neben Sojabohnen auf einem hellen Holztisch
Sojadrink ist der eiweißreichste unter den Pflanzendrinks.

Sojadrink ist der proteinreichste unter den Pflanzendrinks und der einzige, der beim Eiweiß mit Kuhmilch mithalten kann. Wir zeigen Ihnen, wie er entsteht, was drinsteckt und wofür er sich in der Küche lohnt.

Sojadrink oder Sojamilch? Ein kurzer Überblick

Im Alltag sagen viele bei uns in der Familie ganz selbstverständlich "Sojamilch". Auf der Verpackung steht dieser Begriff aber nicht, und das hat einen guten Grund: In der EU ist die Bezeichnung "Milch" gesetzlich für das Erzeugnis aus der Eutersekretion von Tieren reserviert. Pflanzliche Alternativen dürfen sich deshalb im Handel nur Drink nennen. Deshalb sprechen auch wir hier korrekt von Sojadrink, meinen damit aber genau das, was viele als Sojamilch kennen.

Sojadrink ist eine wässrige Zubereitung aus Sojabohnen. Er ist von Natur aus frei von Laktose und Cholesterin und damit für Menschen mit Laktoseintoleranz oder rein pflanzlicher Ernährung interessant. Unter allen Pflanzendrinks nimmt Soja eine Sonderstellung ein, weil er als einziger annähernd so viel Eiweiß liefert wie Kuhmilch. Hafer- und Mandeldrink kommen da nicht mit.

Wichtig zu wissen: Sojadrink ist ein verarbeitetes Lebensmittel, kein Naturprodukt, das reif geerntet wird. Eine Saison im klassischen Sinn gibt es nicht, die Bohnen werden überwiegend importiert. Umso mehr lohnt beim Kauf ein Blick auf Herkunft und Zutatenliste, dazu weiter unten mehr.

Wie Sojadrink hergestellt wird

Die Grundidee ist einfach und uralt: Man weicht Sojabohnen ein, zerkleinert sie mit Wasser und presst die Flüssigkeit ab. In Ostasien wird Sojadrink seit Jahrhunderten so gewonnen. Industriell läuft es heute in mehreren Schritten ab, und genau diese Verarbeitungstiefe unterscheidet ihn von Kuhmilch.

Zuerst werden die Bohnen gereinigt, geschält und mehrere Stunden in Wasser eingeweicht. Danach mahlt man sie zusammen mit heißem Wasser fein zu einem Brei. Dieser Brei wird erhitzt, was den typisch bohnigen Geschmack abmildert und sogenannte Trypsininhibitoren inaktiviert, also natürliche Stoffe der Rohbohne, die die Eiweißverdauung stören würden.

Anschließend wird die flüssige Phase von den festen Bestandteilen getrennt. Der feste Rückstand heißt Okara, ein geschmacksneutrales, ballaststoffreiches Nebenprodukt, das sich zum Beispiel in Brötchen oder Bratlingen weiterverwenden lässt. Der übrig bleibende Sojadrink wird homogenisiert, meist mit Calcium und Vitaminen angereichert und schließlich ultrahocherhitzt und aseptisch abgefüllt, damit er ungeöffnet lange haltbar bleibt.

Zum Einordnen: Das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) beziffert die Zahl der Verarbeitungsschritte bei Sojadrink auf rund 13, bei Kuhmilch auf etwa vier. Das ist kein Qualitätsurteil, zeigt aber, dass hinter dem schlichten Getränk mehr Technik steckt, als man vermutet.

Nährwerte und Eiweiß

Beim Eiweiß spielt Sojadrink in einer eigenen Liga. Ein ungesüßter Sojadrink liefert je 100 Milliliter rund 3 bis 3,5 Gramm Protein. Das Besondere ist nicht nur die Menge, sondern die Qualität: Sojaeiweiß enthält alle essenziellen Aminosäuren in guter Zusammensetzung und gilt damit als vollwertige pflanzliche Proteinquelle. Für alle, die auf tierische Produkte verzichten, ist das ein echter Pluspunkt.

Der Fettanteil liegt je nach Produkt bei etwa 1 bis 2,5 Gramm pro 100 Milliliter und besteht überwiegend aus ungesättigten Fettsäuren. Kohlenhydrate sind mit rund 2 bis 3 Gramm vergleichsweise wenig enthalten, sofern kein Zucker zugesetzt wurde. Achten Sie deshalb auf die Angabe "ungesüßt", denn gesüßte Varianten können deutlich mehr Zucker mitbringen.

Ein Punkt, den man kennen sollte: Calcium steckt in reinem Sojadrink von Natur aus kaum drin, oft nur rund 13 Milligramm je 100 Milliliter. Deshalb reichern die meisten Hersteller ihre Drinks gezielt mit Calcium an, viele auch mit Vitamin B2, Vitamin B12 und Vitamin D. Wenn Sie Sojadrink als Ersatz für Kuhmilch nutzen, greifen Sie also am besten zu einer angereicherten Variante. Die genauen Nährwerte schwanken je nach Marke und Rezeptur, ein Blick auf die Nährwerttabelle der jeweiligen Packung lohnt sich immer.

Typische Nährwerte je je 100 ml ungesüßter Sojadrink (Durchschnittswert)
Nährwertje je 100 ml ungesüßter Sojadrink (Durchschnittswert)
Energie27 kcal
Fett1 g
Eiweiß3 g
Kohlenhydrate2 g
davon Zucker2 g
Ballaststoffe1 g
Calcium (unangereichert)13 mg

Woraus die Energie stammt

  • Fett 1,0 g (31%)
  • Eiweiß 3,0 g (41%)
  • Kohlenhydrate 2,0 g (28%)

Angaben je 100 g, gerundet. Quelle: Nährwertrechner.de: Sojadrink/Sojadrinkprodukte

Sojadrink im Vergleich mit Kuhmilch

Der Vergleich mit Kuhmilch ist die häufigste Frage, die uns zu Sojadrink begegnet. Beim Eiweiß liegen beide praktisch gleichauf: Das KErn nennt für Kuhmilch etwa 3,4 Gramm und für Sojadrink rund 3,5 Gramm Protein je 100 Milliliter. Beim Fett hat Vollmilch mit rund 4 Gramm die Nase vorn, Sojadrink liegt mit etwa 2,5 Gramm darunter.

Der große Unterschied liegt beim Calcium. Kuhmilch bringt es von Natur aus mit, und schon 250 Milliliter decken einen erheblichen Teil des Tagesbedarfs. Sojadrink erreicht ähnliche Werte nur, wenn er angereichert wurde. Dafür liefert Sojadrink laut KErn rund viermal so viel Folsäure wie Kuhmilch und kommt ganz ohne Laktose und Cholesterin aus.

Wie wir finden, gibt es kein pauschales Besser oder Schlechter. Wer Kuhmilch gut verträgt, bekommt Calcium und Vitamin B12 gewissermaßen frei Haus. Wer aus Überzeugung, wegen Laktoseintoleranz oder aus Umweltgründen auf Pflanzendrinks setzt, findet in angereichertem Sojadrink die nährwertlich nächstliegende Alternative. Andere Pflanzendrinks wie Hafer oder Mandel liegen beim Eiweiß mit 0,4 bis 0,6 Gramm je 100 Milliliter deutlich zurück.

Isoflavone und gesundheitliche Einordnung

Rund um Soja halten sich hartnäckig Sorgen wegen der enthaltenen Isoflavone. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die dem körpereigenen Hormon Östrogen strukturell ähneln und deshalb auch Phytoöstrogene genannt werden. Genau hier lohnt ein nüchterner Blick auf die Faktenlage.

Die Verbraucherzentrale und das Bundeszentrum für Ernährung ordnen ein: Sojahaltige Lebensmittel wie Tofu, Sojadrink oder Tempeh können in üblichen Mengen Teil einer ausgewogenen Ernährung sein und liefern zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Eiweiß. Fachgesellschaften bewerten einen maßvollen Verzehr von ein bis zwei Portionen Sojalebensmitteln pro Tag als unbedenklich, wobei eine Portion etwa 250 Milliliter Sojadrink oder 100 Gramm Tofu entspricht.

Vorsicht gilt bei etwas anderem: Hochdosierte, isolierte Isoflavone aus Nahrungsergänzungsmitteln, wie sie gegen Wechseljahrsbeschwerden angeboten werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht solche Präparate für bestimmte Gruppen kritisch, insbesondere für Frauen mit einer akuten oder früher diagnostizierten östrogenabhängigen Erkrankung von Brust oder Gebärmutter. Ob die deutlich niedrigeren Mengen in normalen Sojalebensmitteln die Gesundheit beeinträchtigen, ist nach aktuellem Stand nicht belegt. Wir möchten hier ausdrücklich keine Heilversprechen machen, sondern raten im Zweifel, gerade bei Vorerkrankungen oder in Schwangerschaft und Stillzeit, zu einem Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt.

Ein praktischer Hinweis noch: Etwa 0,3 bis 0,4 Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch auf Sojaeiweiß, und bei Birkenpollenallergie sind Kreuzreaktionen möglich. Wer empfindlich ist, sollte Sojadrink daher vorsichtig ausprobieren.

Sojadrink in der Küche verwenden

In der Küche ist Sojadrink erstaunlich vielseitig, und bei uns ersetzt er Kuhmilch in fast allen Anwendungen eins zu eins. Er eignet sich zum Kochen von Bechamel oder Suppen, für Pfannkuchen, Kuchenteig und Pudding sowie natürlich für Müsli und Kaffee. In der asiatischen Küche ist er außerdem die Basis für Tofu.

Ein Klassiker unter den Ärgernissen ist das Ausflocken im Kaffee. Sojaeiweiß reagiert empfindlich auf Säure und Hitze, und der Kaffee ist beides. Trifft heißer, säurehaltiger Espresso auf kalten Sojadrink, gerinnt das Eiweiß und es bilden sich Flöckchen. Dagegen hilft, den Sojadrink vor dem Eingießen leicht anzuwärmen, ihn in den Kaffee zu gießen statt umgekehrt und einen milden, weniger sauren Kaffee zu wählen. Am zuverlässigsten funktionieren spezielle Barista-Varianten, die genau darauf abgestimmt sind.

Zum Aufschäumen für Cappuccino und Latte macchiato greifen Sie am besten ebenfalls zu einem Barista-Sojadrink. Er lässt sich heiß wie kalt zu einem stabilen, cremigen Schaum aufschlagen. Der beste Schaum gelingt, wenn der Drink gut gekühlt verarbeitet wird.

Lagerung, Haltbarkeit und Einkauf

Ungeöffneter Sojadrink aus dem ungekühlten Regal ist dank Ultrahocherhitzung viele Monate haltbar und darf bis zum Öffnen bei Zimmertemperatur stehen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist dabei ein Richtwert, kein Wegwerfdatum.

Nach dem Öffnen gehört Sojadrink in den Kühlschrank. Die Verbraucherzentrale gibt an, dass Pflanzendrinks bei ausreichender Kühlung auch geöffnet bis zu zwei Wochen haltbar sind. Herstellerangaben sind oft vorsichtiger und nennen drei bis fünf Tage. Lagern Sie die Packung am besten nicht in der Kühlschranktür, sondern weiter innen, wo es gleichmäßig kalt ist, und trinken Sie nicht direkt aus der Packung, weil eingetragene Keime den Verderb beschleunigen.

Verlassen Sie sich am Ende auf Ihre Sinne: Wenn der Drink schleimig oder klumpig geworden ist, Schimmel oder Verfärbungen zeigt oder muffig, sauer oder ranzig riecht, gehört er nicht mehr ins Glas.

Beim Einkauf achten wir auf drei Dinge. Erstens: möglichst ungesüßt, um versteckten Zucker zu vermeiden. Zweitens: mit Calcium und idealerweise Vitamin B12 angereichert, wenn der Drink Kuhmilch ersetzen soll. Drittens: ein Blick auf die Herkunft der Bohnen, denn europäisch angebautes Soja spart lange Transportwege. Ein kurzer Vergleich der Nährwert- und Zutatenlisten innerhalb der Kategorie lohnt sich fast immer.

Häufige Fragen zu Sojadrink

Ist Sojadrink gesünder als Kuhmilch?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Beim Eiweiß sind beide fast gleichauf, Sojadrink ist laktose- und cholesterinfrei, enthält aber von Natur aus kaum Calcium und meist kein Vitamin B12. Angereicherte Varianten gleichen das aus. Für eine ausgewogene Ernährung kommt es auf die Gesamtauswahl an.
Wie viel Eiweiß hat Sojadrink?
Ungesüßter Sojadrink liefert rund 3 bis 3,5 Gramm Eiweiß je 100 Milliliter und liegt damit praktisch auf Augenhöhe mit Kuhmilch. Das Sojaeiweiß enthält alle essenziellen Aminosäuren und gilt als hochwertige pflanzliche Proteinquelle.
Warum flockt Sojadrink im Kaffee aus?
Sojaeiweiß gerinnt bei Säure und Hitze. Trifft heißer, säurehaltiger Kaffee auf kalten Sojadrink, bilden sich Flöckchen. Es hilft, den Drink vorzuwärmen, ihn in den Kaffee zu gießen und einen milden Kaffee oder eine Barista-Variante zu verwenden.
Wie lange ist geöffneter Sojadrink haltbar?
Bei guter Kühlung sind Pflanzendrinks laut Verbraucherzentrale geöffnet bis zu zwei Wochen haltbar, Herstellerangaben nennen oft vorsichtiger drei bis fünf Tage. Riecht oder sieht der Drink verdorben aus, sollten Sie ihn entsorgen.
Ist Sojadrink wegen der Isoflavone bedenklich?
Für sojahaltige Lebensmittel gilt ein maßvoller Verzehr von ein bis zwei Portionen täglich als unbedenklich. Kritisch bewertet werden nur hochdosierte Isoflavon-Präparate. Bei östrogenabhängigen Vorerkrankungen oder in der Schwangerschaft ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Quellen

  1. KErn Bayern: Kuhmilch vs. Pflanzendrinks
  2. Verbraucherzentrale: Sojadrink Haltbarkeit und Lagerung
  3. BZfE: Wie gesund sind Soja-Lebensmittel?
  4. Nährwertrechner.de: Sojadrink Nährwerte

Nährwerte sind Durchschnittswerte und variieren je nach Sorte und Herkunft. Stand: 20.07.2026.

Zuletzt aktualisiert am 20.07.2026.