Rapsöl: Fettsäuren, Rauchpunkt und Verwendung

Kategorie: Lebensmittel

Goldgelbes Rapsöl fließt aus einer Glasflasche in ein Schälchen, daneben Rapssaat
Rapsöl gibt es raffiniert für die heiße Pfanne und kaltgepresst für die kalte Küche.

Rapsöl gilt aus gutem Grund als eines der ausgewogensten Speiseöle: wenig gesättigte Fettsäuren, viel einfach ungesättigte und ein für Pflanzenöle seltener, hoher Anteil an Omega-3. Wir zeigen Ihnen, welche Sorte sich wofür eignet, wie heiß Sie das Öl wirklich machen dürfen und wo es dem Olivenöl voraus ist.

Was Rapsöl ist und woher es kommt

Rapsöl wird aus den winzigen Samen des Rapses gewonnen, einer Kreuzblütlerpflanze, die im Frühjahr ganze Landstriche leuchtend gelb färbt. Raps ist in Deutschland eine der wichtigsten heimischen Ölpflanzen, entsprechend kurz sind die Wege vom Feld zur Mühle. Bei uns in der Familie steht meist eine Flasche im Schrank, einfach weil das Öl so unauffällig zu fast allem passt.

Wichtig zu wissen: Das moderne Speiserapsöl hat mit dem alten Rüböl kaum noch etwas gemein. Früher enthielt Rapssaat viel Erucasäure, die in größeren Mengen als bedenklich galt. Seit den 1970er Jahren werden ausschließlich erucasäurearme Sorten angebaut, sodass heutiges Rapsöl ernährungsphysiologisch als sehr wertvoll eingestuft wird.

Fachleute sprechen beim modernen Speiseraps auch von Doppelnull- oder 00-Raps, weil er sowohl arm an Erucasäure als auch an bestimmten Bitterstoffen ist. Genau diese Züchtung hat aus dem einstigen technischen Öl ein hochwertiges Lebensmittel gemacht. Rapsöl zählt heute zu den meistgekauften Speiseölen in deutschen Haushalten und ist aus vielen Küchen kaum noch wegzudenken.

Im Handel begegnen Ihnen zwei Grundtypen. Raffiniertes Rapsöl ist hellgelb, geschmacksneutral und für die meisten Alltagsgerichte gedacht. Kaltgepresstes, also natives Rapsöl, ist goldgelb bis grünlich, schmeckt saatig-nussig und behält mehr wertvolle Begleitstoffe. Welches Sie brauchen, hängt schlicht davon ab, was Sie damit vorhaben.

Fettsäuren und Nährwerte

Der Ruf des Rapsöls gründet vor allem auf seinem Fettsäuremuster. Es hat von allen gängigen Speiseölen einen der niedrigsten Anteile an gesättigten Fettsäuren und dafür sehr viele einfach ungesättigte. Genau diese Zusammensetzung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die den Anteil gesättigter Fette an der Tagesenergie auf höchstens rund zehn Prozent begrenzt sehen möchte.

Laut Bundeszentrum für Ernährung besteht Rapsöl zu etwa 62 Prozent aus einfach ungesättigten Fettsäuren. Dazu kommen im Schnitt rund 20 Prozent Linolsäure (eine Omega-6-Fettsäure) und etwa neun Prozent Alpha-Linolensäure. Letztere ist eine Omega-3-Fettsäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann und deshalb über die Nahrung aufnehmen muss. Dass ein Pflanzenöl so viel davon liefert, ist eher die Ausnahme.

Die Alpha-Linolensäure ist die pflanzliche Omega-3-Fettsäure. Der Körper kann daraus in begrenztem Umfang die langkettigen Omega-3-Fettsäuren bilden, die sonst vor allem in fettem Seefisch stecken. Rapsöl ersetzt den Fisch also nicht, ist aber eine unkomplizierte pflanzliche Quelle für diese Fettsäuregruppe und passt damit gut in eine abwechslungsreiche Ernährung.

Kaltgepresstes Rapsöl enthält zudem mehr Vitamin E als raffiniertes, denn bei der Raffination geht laut BZfE etwa ein Drittel dieses hitzeempfindlichen Vitamins verloren. Wer also gezielt Vitamin E über das Öl aufnehmen möchte, greift zur nativen Variante und nutzt sie kalt. Wie bei jedem reinen Öl gilt trotz aller Vorzüge: Es ist sehr energiedicht, ein Esslöffel schlägt schon mit rund 90 Kilokalorien zu Buche.

Typische Nährwerte je 100 g
Nährwertje 100 g
Energie875 kcal
Fett99 g
davon gesättigte Fettsäuren7,7 g
davon einfach ungesättigte Fettsäuren55,1 g
davon mehrfach ungesättigte Fettsäuren31,9 g
Eiweiß0 g
Kohlenhydrate0 g

Woraus die Energie stammt

  • Fett 99,0 g (100%)
  • Eiweiß 0,0 g (0%)
  • Kohlenhydrate 0,0 g (0%)

Angaben je 100 g, gerundet. Quelle: Naehrwertrechner.de: Rüböl (Rapsöl)

Rauchpunkt und Erhitzen

Der Rauchpunkt entscheidet, wie stark Sie ein Öl erhitzen dürfen, bevor es zu qualmen beginnt und dabei unerwünschte, teils gesundheitlich bedenkliche Stoffe bilden kann. Hier trennen sich die beiden Rapsöl-Typen deutlich, und genau das führt in der Küche oft zu Verwirrung.

Raffiniertes Rapsöl ist hitzestabil und lässt sich laut BZfE auf über 200 Grad Celsius erhitzen. Damit ist es problemlos zum Braten, Dünsten und sogar zum Frittieren geeignet. Kaltgepresstes Rapsöl dagegen hat je nach Produkt nur einen Rauchpunkt von etwa 130 bis 190 Grad Celsius. Es ist damit deutlich empfindlicher.

Unsere Faustregel dazu: Wenn scharf angebraten wird, kommt raffiniertes Öl in die Pfanne. Kaltgepresstes Rapsöl heben wir uns für die kalte Küche auf oder nutzen es höchstens zum sanften Andünsten. Erhitzen Sie es zu stark, verliert es nicht nur sein feines Aroma, sondern kann sogar bitter werden. Ein qualmendes Öl gehört übrigens grundsätzlich entsorgt und nicht weiterverwendet.

Verwendung in der Küche

Raffiniertes Rapsöl ist der unkomplizierte Allrounder. Weil es geschmacksneutral ist, drängt es sich nirgends in den Vordergrund. Wir nehmen es zum Anbraten von Schnitzel, Bratkartoffeln und Gemüse, für Pfannengerichte und sogar zum Backen von Muffins, Waffeln oder Rührkuchen, wo ein neutrales Öl gefragt ist.

Ein praktischer Nebeneffekt der Geschmacksneutralität: Raffiniertes Rapsöl eignet sich auch dort, wo ein kräftiges Öl stören würde, etwa in hellen Rührteigen oder Pfannkuchen. Beim scharfen Anbraten erhitzen Sie das Öl am besten in der noch kalten Pfanne und geben das Bratgut erst dann hinein, so verteilt es sich gleichmäßig und spritzt weniger.

Kaltgepresstes Rapsöl spielt seine Stärken kalt aus. Sein saatig-nussiger Geschmack passt hervorragend zu Blattsalaten, in Dressings, über gedünstetes Gemüse, in Dips, Quark oder zu Kartoffeln. Ein Schuss über die fertige Suppe oder das Ofengemüse gibt oft mehr her als jede Prise Gewürz.

Rapsöl oder Olivenöl?

Diese Frage hören wir oft, und die ehrliche Antwort lautet: Beide sind gute Öle, aber sie haben unterschiedliche Stärken. Beim Fettsäuremuster hat Rapsöl einen echten Trumpf. Es besitzt laut Stiftung Warentest den niedrigsten Anteil an gesättigten Fettsäuren aller Speiseöle und liefert mit etwa zehn Prozent deutlich mehr Omega-3 als Olivenöl, das davon nur wenig enthält.

Besonders günstig ist beim Rapsöl das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3. Stiftung Warentest nennt einen Wert von rund 2,4 zu 1, während als empfehlenswert höchstens etwa 5 zu 1 gilt. Rund 20 Gramm Rapsöl decken den Tagesbedarf an Alpha-Linolensäure bereits reichlich. In diesem Punkt liegt Rapsöl klar vorn.

Olivenöl wiederum punktet mit seinem charakteristischen Aroma und einem sehr hohen Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren, weshalb es die mediterrane Küche prägt. Geschmacklich ist es das ausdrucksstärkere Öl. Wie wir finden, muss man sich gar nicht entscheiden: Für die Alltagsküche und alles, wo Omega-3 zählt, greifen wir zu Rapsöl, für das mediterrane Aroma zu einem guten Olivenöl. Zwei Flaschen im Schrank lösen den Streit am elegantesten.

Einkauf, Lagerung und Haltbarkeit

Fett reagiert empfindlich auf Licht, Wärme und Sauerstoff, sonst wird es ranzig. Bewahren Sie Rapsöl deshalb kühl und dunkel auf, gut verschlossen in der Speisekammer oder einem kühlen Schrank. Direkt neben dem Herd ist der denkbar schlechteste Platz, auch wenn es dort am praktischsten stünde.

Die Haltbarkeit hängt vom Typ ab. Raffiniertes Rapsöl hält ungeöffnet bis zu zwei Jahre und nach dem Öffnen noch rund sechs bis acht Monate. Natives, kaltgepresstes Rapsöl ist empfindlicher: ungeöffnet etwa ein Jahr, nach dem Öffnen nur noch rund drei Monate. Die geöffnete Flasche natives Öl lagern Sie am besten im Kühlschrank. Es kann dort leicht trüb werden, das ist völlig harmlos und verschwindet bei Zimmertemperatur wieder.

Kaufen Sie Rapsöl am besten in Mengen, die Sie in überschaubarer Zeit verbrauchen. Gerade beim nativen Öl bringt die kleine Flasche oft mehr Genuss als der große Vorratskauf, weil das Aroma mit der Zeit nachlässt.

Ein einfacher Test vor der Verwendung: Riechen Sie kurz an der Flasche. Ranziges Öl verrät sich durch einen stechenden, alten Geruch und gehört dann in den Restmüll, nicht in den Abfluss. Beim Einkauf lohnt der Blick aufs Etikett, ob raffiniert oder kaltgepresst, damit Sie die richtige Sorte für Ihren Zweck erwischen.

Häufige Fragen zu Rapsöl

Kann man mit Rapsöl braten?
Ja. Raffiniertes Rapsöl ist mit einem Rauchpunkt von über 200 Grad hitzestabil und eignet sich zum Braten, Schmoren und Frittieren. Kaltgepresstes Rapsöl sollten Sie dagegen nur für kalte Speisen oder zum sanften Andünsten nutzen, da sein Rauchpunkt bei etwa 130 bis 190 Grad liegt.
Ist Rapsöl gesünder als Olivenöl?
Beide sind hochwertig. Rapsöl hat den niedrigsten Anteil gesättigter Fettsäuren und liefert deutlich mehr Omega-3 mit einem sehr günstigen Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 (rund 2,4 zu 1). Olivenöl überzeugt vor allem durch sein Aroma. Für den Alltag ist Rapsöl aus ernährungsphysiologischer Sicht besonders ausgewogen.
Wie lange ist Rapsöl haltbar?
Raffiniertes Rapsöl hält ungeöffnet bis zu zwei Jahre, nach dem Öffnen etwa sechs bis acht Monate. Kaltgepresstes hält ungeöffnet rund ein Jahr und nach dem Öffnen nur etwa drei Monate, am besten im Kühlschrank gelagert.
Warum schmeckt kaltgepresstes Rapsöl manchmal bitter?
Kaltgepresstes Rapsöl ist hitzeempfindlich. Wird es zu stark erhitzt, verliert es nicht nur sein nussiges Aroma, sondern kann bitter werden und unerwünschte Stoffe bilden. Verwenden Sie es deshalb bevorzugt kalt.
Wie sollte man Rapsöl lagern?
Kühl, dunkel und gut verschlossen, etwa in der Speisekammer oder einem kühlen Schrank. Der Platz direkt neben dem Herd ist ungeeignet, weil Wärme das Öl schneller ranzig werden lässt. Geöffnetes natives Rapsöl gehört in den Kühlschrank.

Quellen

  1. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Rapsöl, Gesundheit und Umwelt
  2. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Rapsöl, vom Einkauf in die Küche
  3. Stiftung Warentest: Rapsöl im Test, fünf Fakten
  4. Naehrwertrechner.de: Rüböl (Rapsöl), Nährwerte

Nährwerte sind Durchschnittswerte und variieren je nach Sorte und Herkunft. Stand: 20.07.2026.

Zuletzt aktualisiert am 20.07.2026.