Sauerkraut: Fermentation, Vitamin C und Haltbarkeit

Kategorie: Lebensmittel

Frisch fermentiertes Sauerkraut in einem Glas, daneben ein halbierter Weißkohl
Sauerkraut entsteht aus nur zwei Zutaten: Weißkohl und Salz.

Sauerkraut ist fein gehobelter Weißkohl, der durch Milchsäuregärung sauer und lange haltbar wird. Roh liefert es Vitamin C und lebende Milchsäurebakterien, und beim schonenden Erhitzen bleibt erstaunlich viel davon erhalten.

Was ist Sauerkraut eigentlich?

Sauerkraut entsteht aus nichts weiter als fein gehobeltem Weißkohl und Salz. Es klingt fast zu simpel, aber genau das ist der Charme: Es braucht keine Konservierungsstoffe, keine Zusätze und keine Hitze, um aus einem festen Kohlkopf ein säuerliches, bekömmliches Gemüse zu machen. Die Umwandlung übernehmen Bakterien, die von Natur aus auf dem Kohl sitzen.

Bei uns in der Familie gehört Sauerkraut zu den Lebensmitteln, die man leicht unterschätzt. Es steht oft nur als Beilage zu Deftigem auf dem Tisch, dabei ist es eines der ältesten Verfahren, Gemüse über den Winter zu bringen. Fermentation ist eine sehr alte Methode zum Haltbarmachen von Lebensmitteln, wie das Bundeszentrum für Ernährung betont.

Wichtig zu wissen: Nicht jedes Sauerkraut ist gleich. Rohes, unpasteurisiertes Kraut aus dem Kühlregal enthält noch lebende Kulturen. Kraut aus der Dose oder aus dem Glas im Supermarktregal wurde meist erhitzt und ist dadurch länger lagerfähig, aber ohne aktive Bakterien. Dieser Unterschied zieht sich durch fast alle Fragen, die Sie zu Sauerkraut haben.

Fermentation: Was im Kraut passiert

Das Prinzip hinter Sauerkraut heißt Milchsäuregärung. Nachdem der gehobelte Kohl gesalzen und fest zusammengedrückt wurde, tritt Wasser aus und der Kohl liegt unter seiner eigenen Lake. In dieser sauerstoffarmen Umgebung kommen die richtigen Mikroorganismen zum Zug.

Die Verbraucherzentrale Berlin beschreibt es so: Anaerobe Bakterien wandeln den im Lebensmittel enthaltenen Zucker zu Milchsäure und Kohlenstoffdioxid um. Zuerst verbrauchen verschiedene Keime den restlichen Sauerstoff, danach vermehren sich die Milchsäurebakterien und vergären die Kohlenhydrate. Es entsteht ein saures Milieu, in dem schädliche Keime und Schimmelpilze schlecht wachsen. Genau diese Säure macht das Kraut haltbar und gibt ihm den typischen Geschmack.

Damit das gelingt, muss der Kohl vollständig unter der Lake bleiben. Sobald Teile an der Luft liegen, können sich Schimmel oder unerwünschte Keime bilden. Ein glattes, weißes Häutchen an der Oberfläche, die sogenannte Kahmhefe, gilt als harmlos und lässt sich abschöpfen; im Zweifel oder bei pelzigem Belag entsorgen. Bei echtem Schimmel, so die Verbraucherzentrale, muss das Gemüse allerdings entsorgt werden.

Der Prozess dauert je nach Temperatur und gewünschter Säure von rund zwei Wochen bis zu mehreren Monaten. Je länger es gärt, desto säuerlicher wird das Ergebnis. Bei rohem Kraut geht diese Gärung auch im Kühlschrank langsam weiter, es wird mit der Zeit also immer saurer.

Nährwerte und Vitamin C

Sauerkraut ist ein echtes Leichtgewicht: Mit rund 21 Kilokalorien pro 100 Gramm liefert es kaum Energie, dafür aber Ballaststoffe und Vitamin C. Weil bei der Gärung ein Großteil des Zuckers zu Milchsäure umgewandelt wird, ist der Kohlenhydratanteil sehr niedrig.

Der bekannteste Nährstoff im Sauerkraut ist das Vitamin C. Rund 20 Milligramm pro 100 Gramm sind ein solider Wert für ein Wintergemüse. Eine ordentliche Portion von etwa 250 Gramm liefert damit schon einen guten Teil des Tagesbedarfs, der bei rund 100 Milligramm liegt. Genau deshalb war Sauerkraut früher auf langen Seereisen so geschätzt: Es war eine der wenigen Vitamin-C-Quellen, die monatelang haltbar blieb.

Dazu kommen B-Vitamine sowie die Milchsäurebakterien selbst, die im rohen Kraut in großer Zahl enthalten sind. Ob und wie stark diese Bakterien die Verdauung oder die Darmflora unterstützen, wird aktuell erforscht. Studien deuten positive Effekte an, die zugrundeliegenden Mechanismen sind aber noch nicht abschließend geklärt. Sie sollten Sauerkraut also als schmackhaften Baustein einer ausgewogenen Ernährung sehen, nicht als Heilmittel.

Typische Nährwerte je pro 100 g rohes, abgetropftes Sauerkraut
Nährwertje pro 100 g rohes, abgetropftes Sauerkraut
Ballaststoffe2,1 g
Vitamin Cca. 20 mg
Wassergehaltsehr hoch

Woraus die Energie stammt

  • Fett 0,3 g (23%)
  • Eiweiß 1,5 g (52%)
  • Kohlenhydrate 0,7 g (25%)

Angaben je 100 g, gerundet. Quelle: EatSmarter: Warenkunde Sauerkraut

Roh oder erhitzt? Der Vitamin-C-Trick

Die verbreitete Annahme lautet: Rohes Sauerkraut ist gesund, gekochtes verliert seine Vitamine. Die Wahrheit ist interessanter. Rohes Kraut liefert tatsächlich die lebenden Milchsäurebakterien, die beim Erhitzen absterben. Wer diese Kulturen möchte, sollte das Kraut also unerhitzt genießen, zum Beispiel als Salat oder als Topping.

Beim Vitamin C dreht sich die Logik aber überraschend um. Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern erklärt, dass der Vitamin-C-Gehalt sogar zunehmen kann, wenn das Sauerkraut nur leicht bissfest gekocht wird. Der Grund ist ein Stoff namens Ascorbigen, eine Vorstufe von Vitamin C, die im Weißkohl steckt. Durch Hitze wird diese inaktive Form in aktives Vitamin C umgewandelt. Zusätzlich schützt das saure Milieu das empfindliche Vitamin vor dem Abbau.

Der Haken: Das gilt nur bei schonender, kurzer Zubereitung. Wer Sauerkraut lange kocht, zerstört das Vitamin C wieder deutlich. EatSmarter empfiehlt darum, das Kraut nur etwa fünf bis zehn Minuten zu garen. So bleibt ein großer Teil des Vitamins erhalten, und das Kraut wird trotzdem warm und aromatisch.

Für uns heißt das in der Praxis: Wer die lebenden Kulturen will, isst das Kraut roh. Wer es warm mag, kocht es nur kurz. Beides hat seine Berechtigung, und keiner der beiden Wege ist ein Fehler.

Sauerkraut selber machen

Sauerkraut gehört zu den einfachsten Fermenten für den Einstieg, weil Sie außer Kohl und Salz kaum etwas brauchen. Der Weißkohl wird von den äußeren Blättern befreit, geviertelt, der Strunk entfernt und der Rest fein gehobelt.

Beim Salz orientieren Sie sich an den Angaben der Verbraucherzentrale: etwa zwei bis drei Prozent Salz bezogen auf das Gemüsegewicht, was bei einem Kilogramm Kohl rund 20 bis 30 Gramm sind. Das Salz wird untergemischt und der Kohl kräftig geknetet oder gestampft, bis genug Flüssigkeit ausgetreten ist. Dann kommt alles fest gedrückt in ein sauberes Glas oder einen Gärtopf.

Entscheidend ist, dass der Kohl komplett unter der Lake liegt. Ein Gewicht oder ein Krautstein hält ihn unten. Anschließend lassen Sie das Ganze bei Zimmertemperatur anfangen zu gären und stellen es nach einigen Tagen kühler. Nach etwa zwei Wochen ist ein junges, mildes Kraut fertig, nach mehreren Wochen wird es kräftiger und säuerlicher.

Ein Tipp aus eigener Erfahrung: In den ersten Tagen bildet sich Kohlensäure und die Lake kann überlaufen. Ein Teller unter dem Glas erspart eine Sauerei auf der Arbeitsplatte.

Lagerung und Haltbarkeit

Wie lange Sauerkraut haltbar ist, hängt stark davon ab, ob es roh oder erhitzt ist. Selbst hergestelltes, rohes Kraut hält sich nach der Fermentation im Kühlschrank laut Verbraucherzentrale mindestens ein halbes Jahr. Das Bundeszentrum für Ernährung nennt für fermentiertes Gemüse im gekühlten, gut verschlossenen Zustand eine Spanne von rund acht Wochen bis zu einem halben Jahr.

Rohes, abgepacktes Kraut aus dem Kühlregal sollten Sie dagegen zügiger verbrauchen, in der Regel innerhalb einiger Wochen. Weil die Gärung im Kühlschrank weitergeht, wird es mit der Zeit saurer. Das ist kein Verderb, sondern eine Geschmacksfrage.

Pasteurisiertes Kraut im Glas oder in der Dose ist am längsten lagerfähig und hält ungeöffnet über viele Monate bis Jahre, dafür enthält es keine lebenden Kulturen mehr. Nach dem Öffnen gehört aber auch dieses Kraut in den Kühlschrank und sollte innerhalb weniger Tage aufgebraucht werden.

Grundregel für alle Varianten: Das Kraut sollte immer von Lake bedeckt bleiben, mit einem sauberen Löffel entnommen werden, und bei Schimmel oder deutlich fauligem Geruch entsorgen Sie es lieber.

Beim Kaufen darauf achten

Wer die lebenden Milchsäurebakterien möchte, greift zu rohem beziehungsweise unpasteurisiertem Sauerkraut. Es findet sich meist im Kühlregal und trägt oft Hinweise wie roh, unpasteurisiert oder mild milchsauer vergoren. Kraut aus dem ungekühlten Regal, aus der Dose oder aus dem Glas wurde in der Regel erhitzt und ist zwar praktisch und lange haltbar, aber ohne aktive Kulturen.

Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich. Klassisches Sauerkraut braucht nur Weißkohl und Salz, manchmal Wacholder oder Kümmel als Gewürz. Zusätze wie Zucker oder Konservierungsstoffe sind bei einem guten Kraut nicht nötig. Wer mag, findet gutes Kraut oft auch direkt bei Erzeugern, im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt.

Gesundheit und wann Vorsicht gilt

Fermentierte Lebensmittel gelten für die meisten Menschen als gut bekömmlich, und es gibt Hinweise, dass sie die Darmflora positiv beeinflussen können. Belastbare, abschließende Beweise für konkrete Gesundheitsversprechen fehlen aber noch, wie das Bundeszentrum für Ernährung deutlich macht. Sauerkraut ist ein guter Baustein einer abwechslungsreichen Kost, mehr sollten Sie ihm nicht auflasten.

Ein wichtiger Punkt für manche Menschen: Bei der Fermentation entsteht vermehrt Histamin. Wer eine Histaminintoleranz hat, reagiert auf Sauerkraut und andere fermentierte Produkte möglicherweise mit Beschwerden und sollte vorsichtig sein oder auf pasteurisierte, mildere Varianten ausweichen.

Auch der Salzgehalt ist ein Faktor. Sauerkraut wird mit Salz hergestellt, was bei einer salzarmen Ernährung eine Rolle spielen kann. Wer darauf achten muss, kann das Kraut vor dem Verzehr kurz abspülen und abtropfen lassen. Für die meisten gesunden Erwachsenen ist Sauerkraut in üblichen Mengen aber unproblematisch und eine kalorienarme, aromatische Bereicherung.

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Häufige Fragen zu Sauerkraut

Ist rohes Sauerkraut gesünder als gekochtes?
Rohes Kraut enthält lebende Milchsäurebakterien, die beim Erhitzen absterben. Dafür kann leicht gegartes Kraut sogar mehr aktives Vitamin C liefern, weil Hitze die Vorstufe Ascorbigen umwandelt. Beide Varianten haben also Vorteile, entscheidend ist eine kurze, schonende Zubereitung.
Wie lange ist Sauerkraut haltbar?
Selbst fermentiertes rohes Kraut hält im Kühlschrank mindestens ein halbes Jahr, sofern es unter Lake bleibt. Abgepacktes Frischkraut sollten Sie innerhalb einiger Wochen verbrauchen, pasteurisiertes Kraut im Glas oder in der Dose hält ungeöffnet viele Monate bis Jahre.
Enthält gekochtes Sauerkraut noch Vitamin C?
Ja. Laut Verbraucherzentrale Bayern kann der Vitamin-C-Gehalt bei kurzem, bissfestem Garen sogar zunehmen, weil aus dem Ascorbigen aktives Vitamin C entsteht. Nur langes Kochen zerstört das Vitamin wieder deutlich, deshalb sollten Sie das Kraut nur fünf bis zehn Minuten garen.
Wie viel Salz braucht man für selbstgemachtes Sauerkraut?
Als Faustregel gelten etwa zwei bis drei Prozent Salz bezogen auf das Gemüsegewicht, also rund 20 bis 30 Gramm pro Kilogramm Weißkohl. Das Salz zieht Wasser aus dem Kohl und schafft die Lake, unter der die Gärung abläuft.
Sind in gekauftem Sauerkraut aus dem Glas noch lebende Bakterien?
Meist nicht. Kraut aus dem ungekühlten Regal, aus dem Glas oder aus der Dose ist in der Regel pasteurisiert und damit ohne aktive Kulturen. Lebende Milchsäurebakterien stecken vor allem in rohem, unpasteurisiertem Kraut aus dem Kühlregal.

Quellen

  1. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Gemüse erntefrisch fermentieren
  2. Verbraucherzentrale Berlin: Fermentation, so machen Sie Gemüse länger haltbar
  3. Verbraucherzentrale Bayern (via food-monitor): Enthält gekochtes Sauerkraut noch Vitamin C?
  4. EatSmarter: Warenkunde Sauerkraut

Nährwerte sind Durchschnittswerte und variieren je nach Sorte und Herkunft. Stand: 20.07.2026.

Zuletzt aktualisiert am 20.07.2026.