Granatapfel: Kerne lösen, essen, lagern

Kategorie: Lebensmittel

Aufgeschnittener Granatapfel mit leuchtend roten Kernen auf Holztisch
Frisch geöffnet zeigt der Granatapfel seine rubinroten Kerne.

Der Granatapfel steckt voller rubinroter Kerne, die süß-herb schmecken und jeden Salat aufhübschen. Am meisten gefragt ist bei uns die Frage, wie man ihn ohne rote Spritzer an der Wand aufbekommt. Genau da fangen wir an, danach folgen Nährwerte, Saison, Lagerung und ein ehrlicher Blick auf den Gesundheits-Hype.

Was der Granatapfel eigentlich ist

Der Granatapfel (Punica granatum) ist die Frucht eines sommergrünen Strauchs oder kleinen Baums, der ursprünglich aus Vorderasien stammt und heute rund ums Mittelmeer angebaut wird. Zu uns in den Handel kommt er vor allem aus der Türkei, Spanien, Italien und Ägypten, wie das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) beschreibt.

Botanisch ist der Granatapfel eine Beere. Unter der ledrigen, rot bis bräunlich gefärbten Schale sitzen hunderte Samen, jeder umhüllt von saftigem, glasig-rotem Fruchtfleisch. Diese essbaren Kerne heißen Arillen. Getrennt werden sie durch weiße, bittere Häute, die man beim Essen aussortiert. Eine einzelne Frucht kann je nach Sorte mehrere hundert dieser kleinen Saftperlen enthalten, was das Auslösen zwar etwas aufwendig, das Ergebnis aber umso ergiebiger macht.

Der Name taucht schon in alten Kulturen als Symbol für Fruchtbarkeit und Fülle auf. Für uns in der Küche zählt aber vor allem der Geschmack: frisch, saftig, mit einer feinen Säure, die zwischen Traube und Cranberry liegt. Wie wir finden, ist er eine der schönsten Früchte für die kälteren Monate, wenn die heimische Obstsaison längst vorbei ist und die Auswahl im Regal überschaubar wird.

Nährwerte des Granatapfels

Der Granatapfel ist eine mittelsüße Frucht. Pro 100 Gramm essbare Kerne liefert er rund 78 Kilokalorien, das BZfE nennt einen Richtwert von etwa 80 kcal je 100 Gramm. Der größte Teil der Energie steckt in den Kohlenhydraten, praktisch ausschließlich in Form von natürlichem Fruchtzucker.

Fett und Eiweiß spielen mengenmäßig kaum eine Rolle. Interessant sind eher die Begleitstoffe: Kalium, etwas Vitamin C sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Dazu gehören Polyphenole und Flavonoide, farbgebende Verbindungen, denen in Laborversuchen antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden und die in kräftig gefärbten Früchten besonders reichlich vorkommen. Dazu kommen die Ballaststoffe aus den kleinen Samen im Inneren der Arillen, die viele beim Essen mitverzehren.

Ein Granatapfel bringt je nach Größe etwa 200 bis 400 Gramm Kerne. Wer die Kerne pur snackt, sollte den Zuckergehalt im Blick behalten, als Topping über Salat, Joghurt oder Bowl ist die Portion dagegen klein und der Zugewinn an Frische groß. Damit passt die Frucht gut in eine abwechslungsreiche Ernährung, ohne dass man sie überschätzen müsste.

Typische Nährwerte je 100 g
Nährwertje 100 g
Energie78 kcal
Fett1 g
Eiweiß1 g
Kohlenhydrate17 g
davon Zucker17 g
Ballaststoffe2 g
Kalium290 mg
Vitamin C7 mg

Woraus die Energie stammt

  • Fett 1,0 g (11%)
  • Eiweiß 1,0 g (5%)
  • Kohlenhydrate 17,0 g (84%)

Angaben je 100 g, gerundet. Quelle: naehrwertrechner.de - Granatapfel

Granatapfel öffnen und Kerne lösen

Der Granatapfel hat den Ruf, eine Sauerei zu veranstalten, weil der Saft stark färbt. Mit der richtigen Technik bleibt aber alles sauber. Wir zeigen die Methode, die auch das BZfE empfiehlt, plus die bekannte Klopf-Variante.

Die Wasser-Methode (kaum Spritzer)

Schneiden Sie mit einem scharfen Messer rund um die Krone, also den Blütenansatz, ein und heben Sie den Deckel ab. Danach ritzen Sie die Schale entlang der weißen Trennwände von oben nach unten ein, meist ergeben sich so vier bis sechs Segmente. Brechen Sie die Frucht an diesen Linien auf.

Das eigentliche Heraustrennen der Kerne gelingt am saubersten in einer Schüssel unter Wasser: Lösen Sie die Arillen mit den Fingern von den Häuten. Die schweren Kerne sinken zu Boden, die bitteren weißen Häute schwimmen oben und lassen sich einfach abschöpfen. Danach das Wasser abgießen, fertig.

Die Löffel-Klopf-Methode (schnell)

Halbieren Sie den Granatapfel quer. Halten Sie eine Hälfte mit der Schnittfläche nach unten über eine Schüssel und klopfen Sie kräftig mit einem Löffelrücken auf die Schale. Die Kerne fallen nach und nach heraus. Das geht flott, spritzt aber mehr, deshalb am besten eine Schürze tragen und nicht in Hemdweite arbeiten. Wie wir finden, ist die Wasser-Methode die entspanntere Wahl, wenn es sauber bleiben soll.

Kerne essen und in der Küche verwenden

Die Kerne des Granatapfels kann man komplett essen, samt dem kleinen Samen im Inneren. Manche empfinden den Kern als leicht holzig, das ist Geschmackssache. Wer nur den Saft möchte, kaut die Arillen aus und spuckt die Kernchen aus, verliert dabei aber die Ballaststoffe.

In der Küche sind Granatapfelkerne wahre Allrounder. Roh streuen wir sie über Blattsalate, Couscous, Joghurt, Porridge oder eine winterliche Bowl. Sie passen laut BZfE gut zu Käsesorten und Schmorgerichten und geben Fleisch- oder Linsengerichten aus der orientalischen Küche den typischen süß-sauren Akzent. Auch über ein Dessert oder in einen Smoothie gestreut machen sie optisch wie geschmacklich etwas her.

Aus den Kernen lässt sich auch Saft pressen, etwa indem man sie durch ein Sieb drückt. Diesen Saft kann man mit etwas Zucker und Zitronensaft zu Sirup einkochen, der pur über Desserts oder in Dressings wandert. Ein Klassiker der levantinischen Küche ist Granatapfelmelasse, ein dunkler, konzentrierter Sirup für Dips und Marinaden.

Ein praktischer Tipp: Wer regelmäßig Kerne braucht, löst gleich mehrere Früchte aus und friert die Kerne portionsweise ein. So hat man das ganze Jahr über frisch wirkende Kerne griffbereit, ohne jedes Mal von Neuem eine ganze Frucht öffnen zu müssen.

Eine ausführliche Anleitung Schritt für Schritt finden Sie unter Granatapfel entkernen.

Saison, Herkunft und Einkauf

Bei uns in Deutschland wächst der Granatapfel nicht im Freiland, er ist eine reine Importfrucht. Die Hauptsaison läuft von September bis Januar, dann kommen die reifsten Früchte aus dem Mittelmeerraum in den Handel. Außerhalb dieser Zeit gibt es Ware aus Überseeanbau, etwa aus Peru oder Südafrika, oft zu höheren Preisen.

Wichtig zu wissen: Granatapfel reift nach der Ernte nicht mehr nach. Eine unreife Frucht wird zu Hause also nicht besser. Achten Sie beim Kauf deshalb auf ein paar Reifezeichen: Eine reife Frucht liegt schwer in der Hand, hat eine straffe, leicht ledrige Schale und einen bereits trockenen Blütenansatz. Kleine braune Flecken auf der Schale sind kein Mangel, sie zeugen oft von Sonnenreife.

Von der Farbe allein sollte man sich nicht leiten lassen, sie reicht je nach Sorte von hellrot bis dunkelbraun. Meiden Sie Früchte mit weichen Druckstellen oder rissiger, eingetrockneter Schale, denn sie sind meist schon über den Punkt hinaus.

Lagerung und Haltbarkeit

Der Granatapfel gehört zu den lagerfähigsten Früchten überhaupt. Ganze, unbeschädigte Früchte halten sich laut BZfE mehrere Monate. Bei kühler, trockener und dunkler Lagerung, etwa im Keller oder in der Speisekammer bei rund 5 bis 10 Grad, bleiben sie am längsten frisch. Bei Zimmertemperatur in der Obstschale sollte man sie innerhalb von etwa zwei bis drei Wochen verbrauchen.

Ist die Frucht angeschnitten, wandert sie in den Kühlschrank. Dort halten die gelösten Kerne in einem luftdichten Behälter noch einige Tage frisch. Zum Einfrieren verteilt man die Kerne am besten zunächst einzeln auf einem Blech, friert sie an und füllt sie erst dann in einen Beutel, so kleben sie nicht zusammen. Eingefroren sind sie viele Monate haltbar und lassen sich portionsweise entnehmen.

Ein Hinweis noch: Wird das Fruchtfleisch innen braun und trocken oder riecht die geöffnete Frucht muffig-gärig, gehört sie nicht mehr auf den Teller. Eine leicht bräunliche Verfärbung einzelner Kerne ist dagegen normal und kein Grund zum Wegwerfen.

Wie gesund ist der Granatapfel wirklich?

Der Granatapfel wird gern als Superfrucht vermarktet, mit Versprechen von schönerer Haut bis zum Schutz vor Herzkrankheiten. Hier lohnt ein nüchterner Blick. Die Verbraucherzentrale weist deutlich darauf hin, dass es für solche Aussagen keine gesicherten wissenschaftlichen Belege gibt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam bereits 2010 zu dem Schluss, dass sich für Granatapfel keine gesundheitsbezogenen Werbeaussagen zulassen ließen.

Das heißt nicht, dass der Granatapfel ungesund wäre, im Gegenteil. Als frische Frucht mit Ballaststoffen, Kalium und Polyphenolen ist er eine schöne Bereicherung einer abwechslungsreichen Ernährung. Nur die großen Heilversprechen halten der Prüfung eben nicht stand, und teure Kapseln oder Säfte sind kein Ersatz für eine ausgewogene Kost. Wer den Genuss in den Vordergrund stellt statt die versprochene Wirkung, macht mit der Frucht am wenigsten falsch.

Ein Punkt ist uns wichtig genug, um ihn hervorzuheben: Fallberichte zeigen, dass Granatapfelsaft ähnlich wie Grapefruitsaft die Wirkung mancher Medikamente beeinflussen kann, etwa von bestimmten Blutgerinnungshemmern. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte größere Mengen Granatapfelsaft mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Als gelegentliches Topping auf dem Salat ist das kein Thema, bei kurmäßigem Saftkonsum aber schon.

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Häufige Fragen zu Granatapfel

Wie löst man Granatapfelkerne ohne Sauerei?
Am saubersten gelingt es unter Wasser: Krone einschneiden und abheben, die Schale entlang der weißen Trennwände einritzen, die Frucht aufbrechen und die Kerne in einer Schüssel mit Wasser mit den Fingern herauslösen. Die Kerne sinken nach unten, die bitteren Häute schwimmen oben und lassen sich abschöpfen.
Kann man die Kerne des Granatapfels mitessen?
Ja, die Kerne im Inneren der roten Arillen sind essbar und liefern Ballaststoffe. Manche empfinden sie als leicht holzig. Wer möchte, kaut nur das saftige Fruchtfleisch aus und spuckt den harten Samen aus, verliert dabei aber einen Teil der Ballaststoffe.
Wann hat der Granatapfel Saison?
Die Hauptsaison in Deutschland läuft von September bis Januar, dann kommt die Ware aus dem Mittelmeerraum wie Türkei, Spanien, Italien und Ägypten. Granatapfel wird bei uns nicht heimisch im Freiland angebaut und reift nach der Ernte nicht mehr nach.
Wie lange ist ein Granatapfel haltbar?
Ganze Früchte halten kühl und dunkel gelagert mehrere Monate, bei Zimmertemperatur etwa zwei bis drei Wochen. Gelöste Kerne bleiben im luftdichten Behälter im Kühlschrank einige Tage frisch und lassen sich portionsweise über viele Monate einfrieren.
Ist der Granatapfel so gesund wie beworben?
Er ist eine gute frische Frucht mit Ballaststoffen, Kalium und Polyphenolen. Für die großen Heilversprechen fehlen laut Verbraucherzentrale und EFSA aber gesicherte Belege. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte großer Saftkonsum ärztlich abgeklärt werden.

Quellen

  1. BZfE - Kerniger Genuss: Der Granatapfel
  2. Verbraucherzentrale - Granatapfel, die gesunde Superfrucht?
  3. naehrwertrechner.de - Granatapfel Nährwerte

Nährwerte sind Durchschnittswerte und variieren je nach Sorte und Herkunft. Stand: 20.07.2026.

Zuletzt aktualisiert am 20.07.2026.