Speiseöle im Überblick: 6 Sorten und wofür sie taugen

Kategorie: Lebensmittel

Verschiedene Speiseöle in Glasflaschen auf einem Holztisch
Oliven-, Raps-, Sonnenblumen- und Sesamöl: Jede Sorte hat ihren eigenen Einsatzbereich.

Öl ist nicht gleich Öl: Welches sich zum scharfen Braten eignet, welches nur roh in den Salat gehört und welches Fettsäureprofil dahintersteckt, hängt stark von der Sorte ab. Wir haben die wichtigsten Speiseöle für Sie zusammengestellt.

Worauf es bei Speiseölen ankommt

Jedes Speiseöl besteht fast vollständig aus Fett, doch die Zusammensetzung dieses Fetts entscheidet über Geschmack, Küchen-Eignung und ernährungsphysiologischen Wert. Drei Begriffe helfen bei der Orientierung, und wenn Sie diese einmal verstanden haben, finden Sie sich in jedem Ölregal zurecht.

Fettsäuren: Öle enthalten gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren in unterschiedlichem Verhältnis. Gesättigte Fettsäuren (viel in Kokosöl) sind hitzestabil, gelten in großen Mengen aber als eher ungünstig. Einfach ungesättigte (Ölsäure, viel in Olivenöl) und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, darunter die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure, werden dagegen als wertvoll eingestuft.

Rauchpunkt: Das ist die Temperatur, ab der ein Öl zu qualmen beginnt und sich unerwünschte Stoffe bilden. Je höher der Rauchpunkt, desto besser eignet sich ein Öl zum Erhitzen. Native, also kaltgepresste Öle haben einen niedrigeren Rauchpunkt als raffinierte.

Nativ oder raffiniert: Native Öle werden schonend kaltgepresst, behalten Aroma und Begleitstoffe, vertragen aber weniger Hitze. Raffinierte Öle werden gereinigt und erhitzt, schmecken neutral und sind deutlich hitzestabiler. Beide haben ihre Berechtigung, wie wir finden, nur eben für unterschiedliche Zwecke.

Die wichtigsten Speiseöle im Porträt

Für den Alltag reichen zwei bis drei gut gewählte Öle völlig aus. Hier stellen wir die gängigsten Sorten vor, jeweils mit ihrer Stärke, dem typischen Rauchpunkt und dem Fettsäureprofil.

Olivenöl

Der Klassiker der mediterranen Küche besteht zu fast 80 Prozent aus einfach ungesättigter Ölsäure, die ernährungsphysiologisch als günstig gilt. Natives Olivenöl extra bringt kräftiges Aroma mit, verträgt aber nur moderate Hitze: Der Rauchpunkt liegt je nach Sorte etwa zwischen 130 und 175 Grad. Zum sanften Anbraten und Dünsten passt es gut, für scharfes Braten oder Frittieren ist es weniger geeignet. Raffiniertes Olivenöl hält dagegen bis rund 216 Grad stand. Wir nutzen das native Öl bei uns vor allem roh für Salate, Antipasti und zum Verfeinern.

Rapsöl

Rapsöl gilt vielen Fachleuten als das ausgewogenste heimische Speiseöl. Es liefert laut AOK pro 100 Gramm rund 7 Gramm gesättigte, 62 Gramm einfach ungesättigte und 29 Gramm mehrfach ungesättigte Fettsäuren, darunter etwa 9 Gramm der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 gilt als besonders günstig. Der große Pluspunkt: Rapsöl ist vielseitig. Raffiniert erreicht es einen Rauchpunkt von bis zu 240 Grad und eignet sich damit sogar zum Frittieren, kaltgepresst passt es mit nussigem Aroma auch in die kalte Küche. Wenn wir nur ein einziges Öl empfehlen dürften, wäre es dieses.

Sonnenblumenöl

Sonnenblumenöl ist preiswert und geschmacksneutral. Die herkömmliche Variante enthält sehr viel mehrfach ungesättigte Linolsäure (Omega-6). Raffiniert ist es mit einem Rauchpunkt um 232 Grad gut hitzestabil und beliebt zum Braten und Frittieren, nativ dagegen sehr empfindlich (Rauchpunkt rund 107 Grad). Daneben gibt es ölsäurereiches Sonnenblumenöl (High Oleic), das dem Olivenöl im Profil ähnelt und besonders hitzestabil ist. Es wird oft ausdrücklich als Bratöl verkauft.

Leinöl

Leinöl ist unser Omega-3-Champion: Es besteht zu rund drei Vierteln aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren, davon ein sehr hoher Anteil Alpha-Linolensäure. Der Haken: Leinöl ist extrem hitzeempfindlich (Rauchpunkt etwa 107 Grad) und darf keinesfalls erhitzt werden. Es gehört ausschließlich in die kalte Küche, klassisch etwa zu Pellkartoffeln mit Quark. Auch bei der Lagerung ist Vorsicht geboten, weil es rasch ranzig wird. Kaufen Sie kleine Flaschen, bewahren Sie sie kühl und dunkel auf und verbrauchen Sie das Öl zügig.

Kokosöl

Kokosöl (auch Kokosfett) ist bei Zimmertemperatur fest und besteht zu etwa 90 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Genau das macht es sehr hitzestabil, der Rauchpunkt nativen Kokosöls liegt bei rund 194 Grad. In der Küche sorgt es für einen typisch süßlichen Kokosgeschmack, was zu asiatischen Currys oder zum Backen passt. Wegen des hohen Anteils gesättigter Fettsäuren raten Ernährungsfachleute allerdings dazu, Kokosöl eher sparsam und nicht als Haupt-Speiseöl einzusetzen. Die kursierenden Superfood-Versprechen sehen wir kritisch.

Sesamöl

Sesamöl gibt es in zwei Varianten: Das helle, native Öl aus ungerösteten Samen ist mild, das dunkle aus gerösteten Samen intensiv nussig und ein Klassiker der asiatischen Küche. Sein Fettprofil ist recht ausgewogen zwischen einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Der Rauchpunkt hängt stark von der Herstellung ab: Natives Sesamöl verträgt etwa bis 177 Grad, raffiniertes bis rund 232 Grad. Das aromatische geröstete Öl setzen wir eher zum Abschmecken am Ende des Garens ein als zum scharfen Anbraten, sonst geht das Aroma verloren.

Nährwerte und Fettsäuren im Vergleich

Beim Blick auf die reinen Kalorien nehmen sich Speiseöle wenig: Alle bestehen praktisch zu 100 Prozent aus Fett und liefern rund 880 bis 900 Kilokalorien je 100 Gramm. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Energiemenge, sondern im Fettsäureprofil. Unsere Tabelle zeigt beispielhaft die Werte für Rapsöl, das wegen seiner ausgewogenen Zusammensetzung oft als Referenz dient.

Zur groben Einordnung der Profile: Olivenöl punktet mit einfach ungesättigter Ölsäure, Leinöl und Rapsöl mit Omega-3, Sonnenblumenöl mit Linolsäure und Kokosöl liegt mit rund 90 Prozent gesättigten Fettsäuren am anderen Ende der Skala. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, überwiegend zu ungesättigten Fetten zu greifen.

Typische Nährwerte je 100 g (Beispiel Rapsöl)
Nährwertje 100 g (Beispiel Rapsöl)
Energieca. 884 kcal
Fett99,9 g
davon gesättigte Fettsäuren7 g
davon einfach ungesättigte62 g
davon mehrfach ungesättigte29 g
davon Omega-3 (Alpha-Linolensäure)ca. 9 g
Kohlenhydrate0 g
Eiweiß0 g

Woraus die Energie stammt

  • Fett 99,9 g (100%)
  • Eiweiß 0,0 g (0%)
  • Kohlenhydrate 0,0 g (0%)

Angaben je 100 g, gerundet. Quelle: AOK: Gesunde Öle, das sind die Besten

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Rauchpunkt: Braten, Frittieren oder kalte Küche

Welches Öl in die Pfanne darf, entscheidet vor allem der Rauchpunkt. Als Faustregel des Landesamts für Verbraucherschutz Niedersachsen gilt: Zum Braten eignen sich Öle mit einem Rauchpunkt über 160 Grad, zum Frittieren sollten es über 200 Grad sein. Kaltgepresste, native Öle sind weniger hitzestabil und gehören eher in die kalte Küche.

Praktisch heißt das: Zum scharfen Braten und Frittieren nehmen Sie raffiniertes Raps-, Sonnenblumen- oder Erdnussöl. Zum sanften Anbraten und Dünsten eignen sich natives Olivenöl oder kaltgepresstes Rapsöl. Roh für Salat, Dips und zum Verfeinern kommen native Öle sowie das hitzeempfindliche Leinöl zum Einsatz.

Lagerung und Haltbarkeit

Öle mögen es kühl, dunkel und gut verschlossen. Licht, Wärme und Sauerstoff lassen sie schneller ranzig werden, besonders die empfindlichen, Omega-3-reichen Sorten. Deshalb kommen Öle am besten in einen kühlen Schrank statt neben den Herd, und die Flasche sollte nach dem Gebrauch zügig wieder verschlossen werden.

Native, kaltgepresste Öle sind kürzer haltbar als raffinierte. Leinöl ist der Extremfall: Es sollte gekühlt gelagert und meist innerhalb weniger Wochen nach dem Öffnen aufgebraucht werden. Kokosöl hält dank seiner gesättigten Fette dagegen sehr lange. Ein ranziges, kratzig oder bitter schmeckendes Öl gehört in den Müll, denn dabei entstehen unerwünschte Abbauprodukte. Kaufen Sie empfindliche Öle daher lieber in kleinen Flaschen.

Kaufen: nativ, kaltgepresst oder raffiniert

Beim Einkauf lohnt der Blick auf das Etikett. Die Bezeichnungen nativ, kaltgepresst oder extra vergine stehen für schonend gewonnene Öle mit vollem Aroma und Begleitstoffen. Wörter wie raffiniert oder einfach nur Speiseöl kennzeichnen gereinigte, neutrale und hitzestabilere Produkte.

Unser praktischer Rat aus der Familienküche: Zwei Öle decken fast alles ab. Ein raffiniertes Rapsöl (oder High-Oleic-Sonnenblumenöl) für alles Warme und ein gutes natives Olivenöl für die kalte Küche. Wer viel Wert auf Omega-3 legt, ergänzt eine kleine Flasche Leinöl für rohe Gerichte. Alles Weitere ist Geschmackssache, und da darf ruhig probiert werden.

Häufige Fragen zu Speiseöle im Überblick

Welches Öl ist am gesündesten?
Ein einzelnes gesündestes Öl gibt es nicht. Rapsöl gilt wegen seines ausgewogenen Fettsäureprofils und günstigen Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnisses als besonders empfehlenswert, Olivenöl wegen seines hohen Anteils an einfach ungesättigter Ölsäure. Leinöl liefert am meisten Omega-3, darf aber nicht erhitzt werden. Am besten kombinieren Sie mehrere ungesättigte Öle.
Welches Öl eignet sich zum Braten und Frittieren?
Zum scharfen Braten und Frittieren eignen sich raffinierte Öle mit hohem Rauchpunkt, etwa raffiniertes Rapsöl (bis rund 240 Grad), raffiniertes Sonnenblumen- oder Erdnussöl. Zum Frittieren sollte der Rauchpunkt über 200 Grad liegen. Native, kaltgepresste Öle sind dafür weniger geeignet.
Kann man Leinöl erhitzen?
Nein. Leinöl ist mit einem Rauchpunkt um 107 Grad extrem hitzeempfindlich und sollte niemals erhitzt werden. Es gehört ausschließlich in die kalte Küche, etwa zu Pellkartoffeln oder in den Salat, und wird am besten gekühlt und rasch verbraucht.
Was ist der Unterschied zwischen nativ und raffiniert?
Native beziehungsweise kaltgepresste Öle werden schonend ohne Hitze gewonnen, behalten Aroma und Begleitstoffe, vertragen aber weniger Hitze. Raffinierte Öle werden gereinigt, schmecken neutral und sind deutlich hitzestabiler. Für die kalte Küche eignen sich native, zum Braten eher raffinierte Öle.
Wie lange ist Speiseöl nach dem Öffnen haltbar?
Das hängt stark von der Sorte ab. Raffinierte Öle und Kokosöl halten viele Monate, native Öle kürzer. Leinöl sollte gekühlt gelagert und meist innerhalb weniger Wochen aufgebraucht werden. Lagern Sie Öle kühl, dunkel und gut verschlossen, und entsorgen Sie ranzig schmeckende Öle.

Quellen

  1. AOK: Gesunde Öle, das sind die Besten
  2. LAVES Niedersachsen: Fettige Vielfalt, Speiseöle auf dem Prüfstand
  3. ecodemy: Öl zum Braten, Rauchpunkt und andere Parameter

Nährwerte sind Durchschnittswerte und variieren je nach Sorte und Herkunft. Stand: 20.07.2026.

Zuletzt aktualisiert am 20.07.2026.